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Referenzformulierung für flammhemmende Mittel für duroplastische Acrylklebstoffe

Referenzformulierung für flammhemmende Mittel für duroplastische Acrylklebstoffe

Um die Anforderungen der UL94 V0-Flammschutzklasse für duroplastische Acrylklebstoffe zu erfüllen, werden unter Berücksichtigung der Eigenschaften bestehender Flammschutzmittel und der Besonderheiten duroplastischer Systeme die folgende optimierte Rezeptur und Schlüsselanalyse vorgeschlagen:


I. Formulierungsprinzipien und Anforderungen an das Duroplast-System

  1. Muss der Aushärtungstemperatur entsprechen (typischerweise 120–180 °C).
  2. Flammschutzmittel müssen hohen Verarbeitungstemperaturen standhalten (Zersetzungsversagen vermeiden).
  3. Sicherstellung der Dispersionsstabilität in Systemen mit hoher Vernetzungsdichte
  4. Ausgewogene mechanische Festigkeit nach der Aushärtung und Flammschutzwirkung

II. Synergistisches Flammschutzsystemdesign

Flammhemmende Eigenschaften & Kompatibilität mit Duroplasten

Flammschutzmittel Hauptrolle Kompatibilität von Duroplasten Empfohlene Beladung
Ultrafeines ATH Haupt-FR: Endotherme Dehydratisierung, Gasphasenverdünnung Erfordert Oberflächenmodifizierung (Anti-Agglomeration) ≤35 % (Überbeladung verringert die Vernetzung)
Aluminiumhypophosphit Synergist: Kohlenstoffkatalysator, Radikalfänger (PO·) Zersetzungstemperatur >300°C, geeignet zum Aushärten 8–12 %
Zinkborat Kohleverstärkungsmittel: Bildet eine glasartige Barriere, reduziert Rauch Wirkt synergistisch mit ATH (Al-BO char) 5–8 %
MCA (Melamincyanurat) Gasförmiges Flammschutzmittel: Setzt NH₃ frei, hemmt die Verbrennung Zersetzungstemperatur 250–300 °C (Aushärtungstemperatur <250 °C) 3–5 %

III. Empfohlene Zusammensetzung (Gew.-%)

Richtlinien für die Komponentenverarbeitung

Komponente Verhältnis Wichtige Verarbeitungshinweise
Duroplastisches Acrylharz 45–50 % Niedrigviskose Typen (z. B. Epoxidacrylat) für hohe Füllstoffbeladung
Oberflächenmodifiziertes ATH (D50 <5µm) 25–30 % mit KH-550 Silan vorbehandelt
Aluminiumhypophosphit 10–12 % Mit ATH vorgemischt, portionsweise zugegeben
Zinkborat 6–8 % Mit MCA versetzt; um eine Degradation durch hohe Scherkräfte zu vermeiden.
MCA 4–5 % Späte Phase der Niedriggeschwindigkeitsmischung (<250°C)
Dispergiermittel (BYK-2152 + PE-Wachs) 1,5–2 % Gewährleistet eine gleichmäßige Füllstoffverteilung.
Haftvermittler (KH-550) 1% Vorbehandelt auf ATH/Hypophosphit
Härtemittel (BPO) 1–2 % Niedrigtemperatur-Aktivator für schnelle Aushärtung
Antisedimentmittel (Aerosil R202) 0,5 % Thixotrope Antisedimentation

IV. Kritische Prozesskontrollen

1. Dispersionsprozess

  • Vorbehandlung: ATH & Hypophosphit in 5%iger KH-550/Ethanol-Lösung eingeweicht (2 h, Trocknung bei 80 °C)
  • Mischsequenz:
    • Harz + Dispergiermittel → Mischen bei niedriger Drehzahl → Modifiziertes ATH/Hypophosphit zugeben → Dispergieren bei hoher Drehzahl (2500 U/min, 20 min) → Zinkborat/MCA zugeben → Mischen bei niedriger Drehzahl (MCA-Abbau vermeiden)
  • Ausrüstung: Planetenmischer (Vakuum-Entgasung) oder Dreiwalzenmühle (für ultrafeine Pulver)

2. Optimierung der Aushärtung

  • Stufenweise Aushärtung: 80 °C/1 h (Vorgelierung) → 140 °C/2 h (Nachhärtung, um die Zersetzung von MCA zu vermeiden)
  • Druckregelung: 0,5–1 MPa zur Verhinderung des Absetzens von Füllstoffen

3. Synergistische Mechanismen

  • ATH + Hypophosphit: Bildet AlPO₄-verstärkten Kohlenstoff und fängt gleichzeitig Radikale (PO·) ab.
  • Zinkborat + MCA: Gas-Feststoff-Doppelbarriere (NH₃-Verdünnung + geschmolzene Glasschicht)

V. Strategien zur Leistungsoptimierung

Häufige Probleme und Lösungen

Ausgabe Grundursache Lösung
Tropfende Zündung Niedrige Schmelzviskosität MCA auf 5 % erhöhen + Hypophosphit auf 12 % erhöhen oder 0,5 % PTFE-Mikropulver hinzufügen
Sprödigkeit nach der Aushärtung Übermäßige ATH-Belastung Reduzierung von ATH auf 25 % + 5 % Nano-CaCO₃ (Härtung)
Speicherung Sedimentation Schlechte Thixotropie Erhöhen Sie den Siliciumdioxidanteil auf 0,8 % oder wechseln Sie zu BYK-410.
LOI <28% Unzureichende Gasphasen-FR 2 % beschichteten roten Phosphor oder 1 % Nano-BN hinzufügen.

VI. Validierungsmetriken

  1. UL94 V0: 3,2 mm Proben, Gesamtflammenzeit <50 s (keine Baumwollentzündung)
  2. LOI ≥30% (Sicherheitsmarge)
  3. TGA-Rückstand >25 % (800 °C, N₂)
  4. Mechanisches Gleichgewicht: Zugfestigkeit >8 MPa, Scherfestigkeit >6 MPa

Wichtigste Erkenntnisse

  • Erreicht die V0-Klassifizierung bei gleichzeitiger Wahrung der mechanischen Integrität.
  • Vor einer Skalierung werden Versuche im kleinen Maßstab (50 g) empfohlen.
  • Für eine höhere Leistung können 2–3 % DOPO-Derivate (z. B. Phosphaphenanthren) hinzugefügt werden.

Diese Rezeptur gewährleistet die Einhaltung strenger Flammschutzmittelnormen und optimiert gleichzeitig die Verarbeitbarkeit und die Leistung im Endprodukt.


Veröffentlichungsdatum: 01.07.2025